Buenos Aires

Ein Tango Besuch in Buenos Aires

Ein Besuch in Buenos Aires, speziell für den Tango, ist keine klassische Urlaubsreise, sondern eine fordernde und inspirierende Erfahrung, die gute Vorbereitung erfordert.

Die drei wichtigsten Dinge, die Du bei einem Tango-Besuch in Buenos Aires beachten solltest, sind: das Beherrschen der Milonga-Etikette, die sichere Handhabung von Finanzen und Transport sowie die intensive Vorbereitung der Tanzqualität und des persönlichen Auftretens.

Auswahl der Milongas

Informationsquellen nutzen: Informiere Dich über die aktuelle Milonga-Szene mithilfe der App oder Webseite „Hoy Milonga“, wo fast alle Veranstaltungen in der Region gelistet sind. Beachte jedoch, dass dort nur Basisinformationen (Ort, Zeit, Veranstalter) verfügbar sind.

Den Charakter der Veranstaltung kennen: Es ist essenziell zu wissen, welche spezifische Milonga (Veranstalter, DJ) an einem bestimmten Abend in einem Salon stattfindet, da sich der Charakter und das Publikum je nach Veranstaltung stark unterscheiden können, selbst wenn der Veranstaltungsort gleich bleibt.

Strategischer Einstieg: Für die erste Woche wird eine Mischung aus Unterricht, Shows und der Besuch von ausgewählten, „freundlichen“ Milongas empfohlen. Starte mit bekannten, etwas internationaleren Milongas zum Beobachten und Fragenstellen, bevor du dich langsam zu sehr traditionellen Orten vorwagst.

Milonga-Etikette (Códigos)

Die Milongas in Buenos Aires, insbesondere die Elegante Milongas oder traditionellen Orte, folgen strengen Regeln (códigos), deren Kenntnis entscheidend dafür ist, wie viel und wie gut Du tanzt.

Die Aufforderung über den Cabeceound die Mirada: In traditionellen Milongas erfolgt die Aufforderung zum Tanz fast ausschließlich über Blickkontakt (mirada) und ein minimales Kopfnicken (cabeceo), nicht durch direkte Ansprache am Tisch. Wenn Du tanzen möchtest, solltest Du so sitzen, dass Dein Blick zur Tanzfläche frei ist, um Offenheit für Einladungen zu signalisieren.

Respektieren der Ronda: Auf der Tanzfläche wird selbstverständlich in konzentrischen Kreisen (Rondas) gegen den Uhrzeigersinn getanzt. Es gilt als heilig, die Tanzlinie nicht zu blockieren, niemanden anzustoßen oder zu überholen. Spektakuläre Show-Figuren, hohe Boleos oder raumgreifende Schritte sind im vollen Kreis verpönt und gelten als unsozial.

Tanzdauer (Tanda): Üblicherweise tanzt man eine ganze Tanda (meist 3–4 Stücke derselben Epoche oder desselben Orchesters) mit einer Person und verlässt danach gemeinsam die Tanzfläche. Die Cortina – ein kurzer Nicht-Tango – markiert das Ende der Tanda.

Finanzen und Transport

Der Umgang mit Geld und die Fortbewegung in Buenos Aires stellen Touristen vor besondere Herausforderungen, da Routinen aus dem Heimatland oft nur begrenzt funktionieren.

Bargeld und Wechselkurs: Aufgrund der Abkopplung Argentiniens vom internationalen Zahlungsverkehr und hoher Gebühren solltest Du kein Geld an Bankautomaten abheben. Es ist ratsam, den Großteil Deines Reisebudgets in Euro oder Dollar in bar mitzubringen (am besten in 50er oder 100er Scheinen). Dieses Bargeld tauscht Du vor Ort in halblegalen Wechselstuben (cuevas) zum inoffiziellen, viel besseren „Euro Blue“-Kurs in Pesos um. Sei beim Geldwechsel und der Heimfahrt danach äußerst wachsam.

Alternativ nutzt Du eine Konto bei Western Union.

Sicherer Transport: Um Diebstähle zu vermeiden, solltest Du Dich niemals von Taxifahrern am Flughafen ansprechen lassen, sondern Anbieter nutzen, die Du selbst organisierst. Generell solltest Du das Taxifahren meiden, da die Tarife drastisch gestiegen sind und Tourist*innen oft abgezockt werden. Es wird dringend empfohlen, die Apps Uber und BA Taxi zu verwenden, um sicher und zuverlässig durch die Stadt zu kommen und nicht unnötig auf der Straße zu warten.

Tanzqualität und Auftreten

Die Grundlage für viel Tanzen in Buenos Aires ist nicht die Anzahl der Schrittkombinationen, sondern die Qualität der Verbindung und Dein persönliches Auftreten.

Vorbereitung und Verbindung: Die Umarmung, die Flexibilität und die Musikalität sind ausschlaggebend dafür, mit wem und wie viel Du tanzt. Es lohnt sich, in die Perfektionierung des eigenen Tanzes zu investieren, um bessere Partner*innen anzuziehen.

Persönliche Ausstrahlung und Hygiene: Du solltest eine positive, „magnetische Energie“ ausstrahlen (buenas ondas); wenn Du mit schlechter Haltung und gesenkten Mundwinkeln dasitzt, wirst Du weniger aufgefordert. Ebenso wichtig ist die Hygiene: Du solltest gut riechen, in frisch gewaschener Kleidung und frisch geduscht in der Milonga erscheinen. Argentinier haben einen empfindlichen Geruchssinn.

Kleiderordnung: Kleide Dich gepflegt-elegant bis schick. Turnschuhe, Sportkleidung oder zu freizügige Outfits fallen in traditionellen Milongas eher negativ auf. Es empfiehlt sich, drei Arten an Tangoschuhen mitzuführen: flache für das Training, hohe gepolsterte für den Unterricht und ein Paar edle Schuhe für die Tango-Salón-Milonga.


Veröffentlicht

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert